Schlosspark Ludwigslust - Die Schloss-Strasse    
  Bilder aus Ludwigslust, 2002 + 2003  
 
Schlosspark Ludwigslust - Schloss-Strasse
 

Die Schloßstraße - die eigentliche Prachtstraße der Stadt - folgt ihrem Lauf der ehemaligen Klenower Dorfstraße. Von den einst hier lebenden Klenower Bauern ist heute nichts mehr zu sehen. Sie mussten der entstehenden Residenz weichen und wurden an den Rand des Ortes umgesiedelt.
Die 35 Meter breite Schloßstraße mit ihrer klaren symmetrischen Gliederung ist heute ein unbedingtes Muss für jeden Ludwigslust-Besucher. Die Straße selbst bildet die Symmetrieachse für die einzelnen Häuser. Jedes Haus entspricht seinem Gegenüber in Breite, Höhe und Form. Jeweils vier Häuser sind unter einem Dach zusammengefasst, daran schließt sich ein freier Platz mit einem einzelnen etwas zurückgesetzten Haus an. Diese Anordnung wiederholt sich mehrmals. Und doch wird es nicht langweilig, kein Haus ähnelt einem anderen.
Viele der roten Backsteinhäuser sind versehen mit zur Straße hin weisenden Balkonen und schmücken ihre Front mit Kletterrosen, wildem Wein oder Blauregen.
Die einheitliche Gliederung der Straße in verschiedene Zonen - Fahrspur, Reiterweg, Promenade und Fußweg, sowie die Bepflanzung mit den für Ludwigslust typischen Linden in der Art einer Allee, lässt die Schloßstraße zu etwas ganz Besonderen werden.
In der Schloßstraße kann fast jedes Haus auf eine eigene Geschichte verweisen. Auf einige Besonderheiten werde ich Sie nun aufmerksam machen.


 
Schlosspark Ludwigslust - Schloss-Strasse 4

Schlosspark Ludwigslust - Schloss-Strasse 1
 

Schloßstraße 1
Ende des 18. Jahrhunderts bis 1828 wurde in diesem Haus die erste Poststelle untergebracht, auch der Hofpostmeister Erhardt lebte hier.

Schloßstraße 4
1774 gründete man in Ludwigslust eine Lateinschule, um den Kindern der höher gestellten Hofbediensteten eine angemessene Bildung zukommen zu lassen. Aus dieser Schule entwickelte sich über die Stationen Rectorschule, Realschule, Realgymnasium das heutige Goethe-Gymnasium. Subrector der Lateinschule war von 1830-1843 ein Freund Fritz Reuters, der Politiker, Schriftsteller und Publizist Ludwig Reinhard.


 
Schlosspark Ludwigslust - Schloss-Strasse 14

Schlosspark Ludwigslust - Schloss-Strasse 15
 

Schloßstraße 14
Aus Überlieferungen weiß man, daß sich in der Schloßstraße 14 "Der alte Krug von Klenow" befand. Das heutige Haus trägt die Vergangenheit in sich; Reste des alten Klenower Kruges wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts überbaut.

Schloßstraße 15
Etwas in der Straßenflucht zurück gesetzt, befindet sich das 1773 von Hofbaumeister Johann Joachim Busch errichtete Hotel. Bei Hofe sprach man damals französisch und so erhielt dieses Haus den klangvollen Namen "Hotel de Weimar". Weithin sichtbar ist die erst vor einigen Jahren restaurierte Uhr im Giebel. Das Ziffernblatt dieser Uhr entstammt noch aus dem ehemaligen Klenower Jagdschloss.


 
Schlosspark Ludwigslust - Schloss-Strasse 16

Schlosspark Ludwigslust - Schloss-Strasse 23
 

Schloßstraße 16
Die Schloßstraße 16 ist das sogenannte Rittmeisterhaus. Hofmarschall von Levetzow bewohnte es. 1841 ist es vermutlich eines der ersten privat verkauften Häuser; Akten belegen, daß der Großherzog auf sein Vorkaufsrecht verzichtete. Bis dahin war privates Bauen in Ludwigslust gänzlich verboten.
Werfen Sie einen Blick hinter das Rittmeisterhaus, auch hier finden wir Spuren der Klenower Zeit. Für den Bau des 1992 liebevoll sanierten Stallgebäudes wurden die Säulen des alten Klenower Jagdschlosses verwendet. Entspannung finden Sie auch, bei einem Gang durch die angrenzende kleine Parkanlage.

Schloßstraße 23
Der Kontrabass-Virtuose und Komponist Johann Matthias Sperger war 1789-1812 in der Schloßstraße 23 zu Hause.


 
Schlosspark Ludwigslust - Schloss-Strasse 24

Schlosspark Ludwigslust - Schloss-Strasse 27
 

Schloßstraße 24
Um 1760 gab es in Ludwigslust keine privaten Bäcker, Schlachter oder Kaufleute. So mußte man täglich mit einer Eselskarawane in das benachbarte Grabow ziehen und von dort die Lebensmittel und Waren für die Ludwigsluster heranschaffen.
Zur Erleichterung der Grundversorgung wurden einige "Freimeister" in Ludwigslust zugelassen. Dies waren Bäcker, Schlachter, die ihre Rechte vom Großherzog verliehen bekamen und die Bezeichnung "Hofbäcker" oder "Hofschlachter" führten.
Doch der Versorgungszustand für die Bevölkerung änderte sich dadurch nicht wesentlich. Erst im Jahre 1793 verlieh der Großherzog dem Ort die Marktfleckengerechtigkeit, ein Recht, welches die Abhaltung von Märkten beinhaltete und es Handwerkern gestattete, sich in Ludwigslust anzusiedeln. Ludwigslust gelangte dadurch zu einer gewissen Selbstständigkeit.
Hier in der Schloßstraße 24 befand sich der erste im Ort zugelassenen Handwerksbetrieb, die Bäckerei Breuel. Seit 1802 führte er die Bezeichnung Hofbäckerei.

Schloßstraße 27
Die Schloßstraße 27 war jahrelang das erste Gerichtshaus des Ortes. Ludwigslust gehörte Verwaltungsmässig lange Zeit zum Amt Grabow. Im Jahr 1801 erfolgte die offizielle Trennung. Ludwigslust erhielt ein eigenes Amtsgericht und schied aus der Gerichtsbarkeit des Domanialamtes Grabow aus. Im Stadtgericht wurden Erbschaftsangelegenheiten beurkundet, Vormundschaftssachen geregelt und kleinere Streitigkeiten der Bewohner geschlichtet. Die eigentliche Verwaltung des Ortes liegt jedoch in den Händen des Großherzogs. Neue Impule für die wirtschaftliche Entwicklung gingen von der Möglichkeit aus, von nun an privaten Grundbesitz zu erwerben.
Nach Verlegung des Gerichts in das heutige Rathaus wurde das Haus als Wohnhaus genutzt, später als Garnisonsverwaltung.


 
Schlosspark Ludwigslust - Schloss-Strasse 36

Schlosspark Ludwigslust - Schloss-Strasse 38
 

Schloßstraße 36+38
Unter der Adresse Schloßstraße 38 befindet sich seit der Stadtgründung im Jahre 1876 das Rathaus der Stadt.
Der Backsteinbau beherbergte die um 1770 aufgebaute und über Ländergrenzen bekannte Pappmaché-Fabrik. Ludwigslust hat diese Fabrik dem Streben des Herzogs Friedrich nach einer anspruchsvollen und würdigen Ausstattung seines Schlosses zu Verdanken. Da das herzogliche Haus knapp bei Kasse war, kam dem Herzog die "Erfindung" des Lakaien namens Johann George Bachmann grade Recht. Nach ersten erfolgreichen Versuchen ordnete Herzog Friedrich alle Ämter und Kollegien an, seinem Lakaien altes, unbrauchbares Papier zu liefern: Akten, Steuerakten, Zeitungen. Die Ludwigsluster Cartonfabrik produziert nicht nur für den Eigenbedarf; bis in das Ausland werden Büsten, Statuen, Reliefs, Tapetenleisten und Konsolen erfolgreich verkauft.
Als Bachmann starb, nahm er das Geheimnis der Herstellung des Pappmaché mit in das Grab und alle noch so intensiven Bemühungen, das Pappmaché in der damals so hervorragenden Qualität herzustellen, misslangen. Meine Damen und Herren, noch heute können Sie die wunderschönen Arbeiten der Ludwigsluster Pappmaché-fabrique im Ludwigsluster Schloss und auch in der Stadtkirche bewundern.
Nach Stadtgründung hielten hier die Stadtväter Einzug, ab 1884 wurde die Sparkasse mit einem Raum eingerichtet, eine Arrest- und Gefängniszelle gab es auch. Das Haus diente lange Jahre auch als Wohnung für die Bürgermeister der Stadt.
1996 aufwändig saniert, ist das Rathaus heute nicht nur eine reine Verwaltung, auch die Stadtbibliothek ist hier integriert. Das Rathaus bietet zudem zahlreichen Künstlern die Möglichkeit, sich mit wechselnden Ausstellungen einem breiten Publikum zu stellen. Im Lichhof des Rathauses finden in regelmäßigen Abständen zahlreiche musikalisch-literarische Veranstaltungen statt.
Im Nebengebäude, in der Schloßstraße 36 steht die "Ludwigslust-Information" zu Ihren Diensten.


 
Schlosspark Ludwigslust - Schloss-Strasse 41

Schlosspark Ludwigslust - Schloss-Strasse 39
 

Schloßstraße 41
Interessant sind auch die dem Rathaus gegenüberliegenden Gebäude. Ab 1828 befand sich die Post links neben dem Postgebäude, bis 1888 der imposante Backsteinbau mit neugothischem Stufengiebel der Nutzung übergeben wurde. Es trug damals noch die Aufschrift "Kaiserliches Post- und Telegraphenamt". Ende der neunziger Jahre gab die Post dieses Gebäude auf und unterhält jetzt nur noch eine kleine Filiale in der Lindenstraße.

Schloßstraße 39
Rechts neben der Post lebte der Conzertmeister und Violinist Louis Massonneau. Bereits 1803 übernahm er gelegentlich die Leitung der Hofkapelle und war dann von 1812 bis 1837 Kapellmeister. 1837 mit der Rückverlegung der Residenz nach Schwerin endet auch die Periode der Hofkapelle in Ludwigslust.


 
Schlosspark Ludwigslust - Schloss-Strasse 51
 

Schloßstraße 51
Im Eckhaus am Ende der Schloßstraße wurde 1835 von Dethloff Carl Hinstorff die nach seinem Namen benannte Hinstorff'sche Buchhandlung eröffnet, schon ein Jahr später führte sie die Bezeichnung Hofbuchhandlung. Der Verleger und Heimatschriftsteller Johannes Gillhoff begründete hier die "Mecklenburgischen Monatshefte".


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Inoffizielle Homepage für "Kleines Fest im Grossen Garten" Hannover/Herrenhausen,
"Kleines Fest im Grossen Park" Ludwigslust/Kirchepark, "Kleines Fest im Grossen KurPark" Bad Pyrmont/Kurpark