Als 1694 begonnen wurde die Gallerie zu bauen, war sie als Überwinterungshaus
für die Orangenbäume (Orangerie) geplant. Daher auch
die typische Lage direkt am Orangenparterre und die Aufteilung
der Räume. Noch während der Bauphase regte die Kurfürstin
Sophie allerdings die Nutzung der heutigen Gallerie als Fest-
und Wohnräume an. So kam es, daß das 1698 von Brand
Westermann (nach Entwürfen des kurpfälzischen Architekten
Johann Peter Wacher) fertig gestellte Gebäude einen völlig
anderen Zweck haben sollte. Der 200 Fuß lange Orangeriesaal
wurde für standesgemäße Empfänge und Feste
genutzt, für die das Schloß einfach zu klein war. Die
Ost- und Westflügel der Gallerie wurden als Wohnräume
für die Kurfürstin Sophie und Prinz Georg Ludwig umgestaltet.
Der Venezianer Tommaso Giusti wurde zur künstlerischen Gestaltung
bestellt, und schmückte die Räume mit einem Freskenzyklus,
der die vier wichtigsten Szenen des Trojanischen Krieges zeigt:
1. Flucht des Äneas aus Troja
2. Juno bittet Jupiter um die Zerstörung der Flotte des Äneas
3. Ankunft des Äneas in Karthago und sein Empfang durch Dido
4. Sturm auf die Stadt der Rutuler und Zweikampf des Äneas
mit dem Rutulerkönig.
Die verschlungenen Stukkaturen sind das Werk von Dossa Granas
und Pietro Rosso. Besonders bemerkenswert ist auch ein riesiges
Bandornament mit okkerfarbenen Profilen an der Decke des Festsaals.
Die 14 von ursprünglich 28 bronzenen Cäsarenbüsten,
die heute vor den Freskenwänden stehen, wurden 1525 in Florenz
gegossen.
Der im Westflügel befindliche, heute als Leibnizzimmer bekannte
Raum, im Erdgeschoß diente der Kurfürstin Sophie früher
als Wohnzimmer. Das Prinzenzimmer im Obergeschoß des Ostflügels
verdankt seinen Namen der Bewohung durch die jüngeren Prinzen
nach dem Tode Ernst Augusts.